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Modern B2B Sales

Drei Zahlen für 2026 – und warum sie den Vertrieb treffen, nicht das Marketing.

LinkedIn hat drei Kennzahlen zum B2B-Kaufverhalten veröffentlicht. Sie werden als Marketing-Thema herumgereicht. Ich halte das für einen Denkfehler – und erkläre euch, warum eure Account Manager damit mehr zu tun haben als eure Marketingabteilung.

Peter Hössl 17. Oktober 2026 7 Min Lesezeit
Kurz gesagt
⚠ Offenlegung in eigener Sache

Ich bin nicht neutral. Mit WerkMomente entwickle ich selbst ein Werkzeug, das Teams beim Sichtbarwerden hilft. Ich habe also ein Interesse daran, dass die Zahlen unten ernst genommen werden – und sage das lieber hier oben als im Kleingedruckten. Nachprüfbar bleibt es trotzdem: Die drei Kennzahlen stammen nicht von mir, die Quelle steht am Ende, und der Montagsplan funktioniert ohne jedes Werkzeug.

Ein Bekannter hat mir vorige Woche eine Grafik von LinkedIn geschickt, mit der Bemerkung: „Interessant für dein Marketing.“ Ich hab sie mir angeschaut und gedacht: Das ist kein Marketing-Thema. Das ist eine Ansage an jeden, der im B2B verkauft.

Es geht um drei Zahlen zum Kaufverhalten 2026. Einzeln klingt jede nach einer netten Statistik. Zusammen beschreiben sie, dass sich der Zeitpunkt verschoben hat, an dem ihr überhaupt stattfindet.

Zahl eins: 60 %

Sechzig Prozent der Kaufreise sind abgeschlossen, bevor es den ersten Kontakt mit einer Marke gibt. Das heißt im Klartext: Wenn das Telefon läutet oder das Kontaktformular aufgeht, ist die halbe Entscheidung schon gefallen. Euer Gegenüber hat gelesen, verglichen, Kolleg:innen gefragt und sich eine Meinung gebildet – ohne euch.

Das ist nicht neu, aber die Größenordnung ist es. Wer erst im Gespräch anfängt zu überzeugen, steigt in ein Rennen ein, das zu 60 % gelaufen ist. Und ehrlich: In den meisten Teams, die ich sehe, ist genau das die Arbeitsweise. Die Pipeline beginnt beim Erstkontakt. Alles davor gilt als „Marketing“.

Wenn 60 % vorher passieren, dann ist das Vorher euer Spielfeld – nicht das von jemand anderem.

Zahl zwei: 94 %

94 % der Einkäufer geben an, während ihrer Kaufreise KI-Werkzeuge zu benutzen. Das ist die Zahl, die mich am meisten beschäftigt. Denn sie ändert, wie dieses Vorher abläuft.

Früher hat jemand gegoogelt und sich durch zehn Treffer geklickt. Heute fragt er eine KI, und die fasst zusammen. Was in dieser Zusammenfassung vorkommt, hat eine Chance. Was nicht vorkommt, existiert nicht – nicht einmal als Option auf Platz sieben.

Und woher nehmen diese Systeme ihr Material? Unter anderem von dort, wo eure Leute schreiben. Ich habe dazu einen eigenen Artikel geschrieben: LinkedIn gehört zu den am häufigsten zitierten Quellen, wenn KI-Systeme B2B-Fragen beantworten. Was euer Team dort veröffentlicht, ist kein Posting mehr. Es ist Trainingsmaterial für die Antwort, die euer nächster Kunde bekommt.

Zahl drei: 63 %

63 % nutzen kurze Videos, um ihre Entscheidung zu untermauern. Und zwar – das ist der wichtige Teil – nicht, um eine Marke kennenzulernen, sondern um zu entscheiden.

Das räumt mit einer Gewohnheit auf. Video galt lange als das Format für ganz oben im Trichter: Imagefilm, Messestand, Employer Branding. Jetzt sitzt es dort, wo gewählt wird. Jemand hat zwei Anbieter in der engeren Wahl, schaut sich an, wie die Leute dahinter reden, und entscheidet mit.

Die gute Nachricht für alle, die jetzt an Produktionsbudgets denken: Es geht nicht um Hochglanz. Es geht um erkennbare Menschen, die eine Sache erklären, die sie können. Ein Handyvideo von der Baustelle schlägt den Imagefilm, wenn man dem Menschen darin glaubt.

Warum das zusammen eine Vertriebsfrage ist

Einzeln lässt sich jede Zahl wegdelegieren. „Buyer Journey“ klingt nach Marketing, „KI-Sichtbarkeit“ nach SEO, „Video“ nach Agentur. Zusammen beschreiben sie aber eine einzige Bewegung: Die Entscheidung fällt früher, an einem Ort, an dem ihr nur stattfindet, wenn ihr vorher etwas hinterlassen habt.

Und wer hinterlässt dieses Etwas? Nicht die Firmenseite. Die liest niemand. Es sind die Menschen, die bei euch arbeiten – die Technikerin, die erklärt, warum eine Anlage ausfällt, der Vertriebler, der von einer verkorksten Ausschreibung erzählt und was er daraus gelernt hat. Das ist der Stoff, den eine KI zitiert und ein Einkaufsgremium anschaut.

Ich predige das seit Jahren unter dem Begriff Social Selling, und viele hören dabei noch immer „Postings schreiben“. Diese drei Zahlen sagen etwas Schärferes: Wer im Vorfeld nicht vorkommt, kommt im Gespräch gar nicht mehr vor. Das ist keine Fleissübung für nebenbei. Das ist Pipeline-Arbeit.

Menschen kaufen von Menschen. Neuerdings fragen sie vorher eine Maschine, welche Menschen es gibt.

Was ihr am Montag tun könnt

Drei Dinge, keine Strategiephase nötig:

Erstens: Prüft, was über euch zu finden ist. Fragt eine KI nach euch, nach eurem Thema, nach eurem Marktsegment. Kommt ihr vor? Kommt der Mitbewerb vor? Das dauert zehn Minuten und ist unangenehm ehrlich.

Zweitens: Sucht die Menschen, nicht die Themen. In jedem Team gibt es drei, vier Leute, die etwas wirklich können und darüber reden können. Die fangt ihr an. Nicht alle zweiundzwanzig gleichzeitig – das geht erfahrungsgemäß schief.

Drittens: Senkt die Hürde, bis sie wegfällt. Der häufigste Grund, warum nichts passiert, ist nicht fehlender Wille. Es sind die vier Aufgaben, die jemand gleichzeitig lösen muss: Thema finden, Text schreiben, Bild auftreiben und dabei klingen wie man selbst. Genau dagegen haben wir WerkMomente gebaut – aber auch ohne Werkzeug gilt: Solange Posten eine zusätzliche Aufgabe ist, gewinnt der Kalender.

Woher die Zahlen stammen: Die drei Kennzahlen hat LinkedIn Ads gemeinsam mit Green Hat veröffentlicht, im Zusammenhang mit dem Briefing „B2B Buying in 2026: AI-Assisted Research Meets Video Influence“. Die Einordnung in diesem Artikel ist meine eigene – und ganz bewusst eine Vertriebsbrille, keine Marketingbrille.

★ Key Takeaways

  • Die Entscheidung beginnt lange vor dem Erstkontakt: 60 % der Kaufreise laufen ohne euch. Plant den Vertrieb entsprechend.
  • KI-Systeme sind der neue Erstkontakt. Was sie nicht finden, gibt es für den Einkauf nicht.
  • Kurze Videos wirken auf die Entscheidung, nicht nur auf die Bekanntheit.
  • Sichtbarkeit entsteht durch Menschen aus dem Team, nicht durch die Firmenseite.
  • Anfangen heißt: drei Leute, kleine Hürde, dranbleiben – nicht alle auf einmal.

Sollen eure Leute sichtbar sein, bevor die Anfrage kommt?

Im Workshop bauen wir das mit euren Leuten auf – mit den Themen, die sie wirklich haben. Kein Content-Kalender aus dem Lehrbuch, sondern etwas, das den Montag überlebt.

Häufige Fragen

Sind das nicht einfach Zahlen, die LinkedIn gut aussehen lassen?

Ein berechtigter Verdacht, und man sollte ihn nie ganz ablegen: LinkedIn verkauft Werbung und hat ein Interesse daran, dass man dort präsent ist. Die Richtung deckt sich aber mit dem, was ich in Projekten sehe, und mit älteren Untersuchungen zur Buyer Journey. Ich würde die Zahlen nicht auf die Kommastelle genau verteidigen. Die Größenordnung halte ich für belastbar.

Wir sind kein Software-Unternehmen. Gilt das auch für uns?

Gerade dann. Je erklärungsbedürftiger euer Produkt, desto länger die Recherchephase davor – und desto mehr Fragen werden vorher gestellt. Ich habe das mit Anlagenbauern genauso erlebt wie mit Beratungen. Die Branche ändert den Inhalt, nicht die Mechanik.

Muss jetzt jeder im Team Videos drehen?

Nein, und das wäre auch der schnellste Weg, das Thema zu verbrennen. Fangt mit denen an, die ohnehin gern reden. Ein Mensch, der zwei Minuten etwas erklärt, das er beherrscht, bringt mehr als zwanzig, die sich überwinden müssen.

Wie messe ich etwas, das vor dem Erstkontakt passiert?

Vollständig gar nicht – das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Was ihr sehen könnt: Profilaufrufe eurer Leute, eingehende Kontaktanfragen, und vor allem der Satz „Ich hab Sie auf LinkedIn gesehen“ im Erstgespräch. Wenn der häufiger fällt, wirkt es. Fragt im Erstgespräch einfach nach, woher jemand kommt.

Wie lange dauert es, bis man etwas merkt?

Nach meiner Erfahrung drei bis sechs Monate, bis die ersten Gespräche anders anfangen. Das klingt lang, ist aber die Natur der Sache: Ihr baut daran, im richtigen Moment schon dagewesen zu sein. Wer nach vier Wochen aufhört, hat nur Aufwand gehabt.

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